| Von der Pflicht Gutes zu tun
Die Frage nach der Pflicht Gutes zu tun, moralisches Ziel der Entwicklungsarbeit, bot den gut 120 Teilnehmern des Sommerseminars 2008 bei Berlin die Möglichkeit zu spannenden Auseinandersetzungen mit den ethischen Dilemmata ihrer Arbeit. Dafür hatte Organisatorin Ulrike Storost (CSP-Alumni und CSP-Verantwortliche seitens der Studienstiftung) das Leitthema „Ethik in den internationalen Beziehungen: Die Verpflichtung, Gutes zu tun?“ gewählt. Vorträge und Arbeitsgruppen zum Thema standen ebenso im Mittelpunkt des Treffens in der Akademie Schmöckwitz, wie der der Erfahrungsaustausch zwischen CSP-Rückkehrern und angehenden Praktikanten.
Zur thematischen Einführung in die moralischen Herausforderungen der Entwicklungsarbeit aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive waren Barbara Fleisch (ETH Zürich) und Ulrike von Pilar (Médecins Sans Frontières, MSF) geladen. Besonders die Schilderung der Arbeit von MSF während und nach dem Genozid in Ruanda Mitte der 1990er Jahre durch Ulrike von Pilar lieferte ein beeindruckendes Beispiel, in welchem moralischen Spannungsfeld sich Entwicklungsarbeit bewegen kann.
Verschiedene Arbeitsgruppen während des Seminars, moderiert durch Wissenschaftler und Mitarbeiter unterschiedlicher humanitärer Organisationen, boten eine Möglichkeit zur intensiveren Auseinandersetzung z. B. mit den Herausforderungen der Triage (Selektion behandlungswürdiger Patienten angesichts knapper Behandlungsressourcen) bei einer Influenza-Pandemie oder der Gratwanderung bei UN-Friedensmissionen zwischen Vormundschaft und Eigenverantwortung. Rollenspiele machten die Problemlagen für die Teilnehmer erfahrbar.
Der zweite Teil des Sommerseminars stellte die diplomatische Arbeit als Berufsfeld für Carlos und Carlas (d.h. Teilnehmer des Carlo-Schmid-Programms) in den Mittelpunkt. Dazu wurde ein Ausflug zum Auswärtigen Amt in Berlin – inzwischen auch Arbeitgeber einiger CSP-Alumni – unternommen. Jens Behrendt, Leiter der Einheit Rekrutierung des Zentrums für internationale Friedenseinsätze (ZIF), stellte im Rahmen des Sommerseminars Einstiegsmöglichkeiten bei internationalen Organisationen auch abseits der offiziellen Pfade vor, während Friedrich Schröder (CSP-Alumnus und Protokollreferent im Auswärtigen Amt) den Carlas und Carlos eine Einführung in diplomatischer Etikette bot.
Während des Seminars bot sich den angehenden Praktikanten in eigens dafür angesetzten Gesprächsrunden und im privaten Dialog immer wieder Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch mit den CSP-Rückkehrern. Zum Empfang in der Studienstiftung über den Dächern von Berlin kamen zahlreiche Berliner CSP-Alumni hinzu, wodurch auch den neuen Carlos und Carlas schnell Anschluss zum CSP-Netzwerk geboten wurde. |