| Am Freitag den 12.09.2008 fanden sich am frühen Abend
zahlreiche hessische Carlos und Carlas in Bockenheim zum ersten Frankfurter
CSP-Salon zum Thema Die breite Basis des
gesellschaftlichen Fortschritts ein. In den Wochen
zuvor war der Abend in Hinblick auf das Jahresthema und das anstehende
Herbsttreffen in Berlin geplant worden. Den Organisatoren war es dabei wichtig,
einen Blick über den Tellerrand herkömmlicher Wirtschaftswissenschaft zu wagen.
Schließlich lag der Fokus der Konferenz im Rahmen des Herbsttreffens sehr stark
auf der aktuellen Finanzkrise. Dank der guten persönlichen Kontakte der Organisatoren
konnten mit Herrn Dr. Stefan Bergheim von Deutsche Bank Research und Frau Antje
Pfeiffer von der GTZ zwei sehr interessante Referenten gewonnen werden.
Stefan Bergheim erläuterte zunächst an Hand seiner eigenen
Vita wie er peu á peu zum Thema „Wachstum und gesellschaftlicher Fortschritt“
gekommen ist. Der Titel einer seiner jüngsten Studien lautet „Die breite Basis
des gesellschaftlichen Fortschritts - Freiheit, Vertrauen, Toleranz, Bildung und
vieles mehr". Nach einem VWL-Studium in Deutschland und den USA arbeitete er
anfangs als Analyst für mehrere Banken, vor allem im Bereich Konjunkturprognose
und Geldpolitik. Mit der Zeit erweiterte sich sein Arbeitsfokus immer mehr und
schloss, nachdem er zwischenzeitlich zu Deutsche Bank Research gewechselt war,
nunmehr auch Fragen nach der Entwicklung von Humankapital und der weltweiten
Messung von Wachstum und Fortschritt mit ein.
Ausgehend von seiner jüngsten Studie erläuterte Stefan
Bergheim, wie man mittels einer Vielzahl von Indikatoren gesellschaftlichen
Fortschritt messen kann und welche Schwierigkeiten sich dabei ergeben. Die Reihe
der von ihm vorgestellten Indikatoren reichte von den World Values Surveys über
Ansätze zur Messung von Sozialkapital, den Human Development Index, den Weighted
Index of Social Progress bis hin zum Happy Planet Index und Fragen nach der
Erklärungskraft der Glücksforschung.
Bei der genaueren Analyse der Zusammenhängte zeigte sich,
dass die herkömmliche ein- oder zweidimensionale Betrachtung von Faktoren den
Erfolg einzelner Gesellschaftssysteme und Volkswirtschaften nicht ausreichend
erklären kann. Keiner der traditionellen Indikatoren, wie beispielsweise das
Bruttoinlandsprodukt, bietet alleine eine ausreichende Erklärung für
gesellschaftliche Entwicklung. Vielmehr ergibt sie sich aus dem Zusammenspiel
einer ganzen Reihe von Faktoren (Einkommen, Bildungschancen,
Beschäftigungsquoten, soziale Teilhabe und Engagement, Vertrauen etc.), die in
der Messung des gesellschaftlichen Entwicklungsniveaus eines Landes
berücksichtigt werden müssen. So entwickeln sich zum Beispiel
Lebenszufriedenheit, Freiheit, Vertrauen und Bildungsniveau nur zusammen und in
wechselseitiger Abhängigkeit voneinander.
Die Präsentation Stefan Bergheims wurde von den
Ausführungen Antje Pfeiffers ergänzt. Sie ordnete die vorgestellten
theoretischen Erkenntnisse mit Blick auf ihre Erfahrungen in der
Entwicklungszusammenarbeit in einen praktischen Kontext ein und formulierte
daran anschließend Fragen beziehungsweise Kommentare. Die GTZ arbeitet mit
einigen der von Stefan Bergheim genannten Indikatoren, um zu einer besseren
Einschätzung von Potential und Defiziten der jeweiligen Partnerländer zu kommen.
Antje Pfeiffer konnte die zuvor
aufgestellte Reihe von Indikatoren jedoch auch noch erweitern und wies zum
Beispiel auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als weiteren Faktor hin.
Im weiteren Verlauf des Abends entwickelte sich eine
angeregte Diskussion und es wurde noch viel über gesellschaftlichen Fortschritt,
Wachstum und mögliche Entwicklungsstrategien debattiert. Dabei stand
insbesondere die Operationalisierung der Erkenntnisse im Vordergrund.
Wir möchten den beiden Podiumsmitgliedern sowie allen
anderen Beteiligten herzlich für ihre Hilfe und Unterstützung danken und hoffen,
bald mit weiteren Veranstaltungen an die ergiebige Diskussion anknüpfen zu
können.
Stefan Bergheims jüngste Studie ist hier
zu finden. |