| Vom 4.-7. November fand unsere Jahrestagung zum Thema "Engagement für eine bessere Welt? Anspruch und Wirklichkeit der internationalen Zusammenarbeit" in Berlin statt.
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Carlo-Schmid-Programms stellten wir auf unserer diesjährigen Jahrestagung das Spannungsfeld von Absicht und Wirklichkeit, persönlichem Wunsch und individueller Wirksamkeit in der internationalen Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Wir haben uns aus verschiedenen Blickwinkeln der Frage genähert, wie man mit Erfahrungen von Frustration – sei es weil eigene oder die Initiativen Anderer gescheitert sind – und Erfahrungen der eigenen Grenzen produktiv umgehen kann. 
Dabei sollten folgende Fragen diskutiert werden:
- In wie weit kann man Verantwortung des Einzelnen im Kontext der internationalen Zusammenarbeit allgemein bestimmen?
- Wo gibt es, angesichts der Realitäten und Mechanismen praktischer Entwicklungszusammenarbeit, wirkliche Gelegenheiten, zum positiven Wandel in anderen Gesellschaften beizutragen?
- Wo müssen populär-bonoistische Ansätze gekontert werden?
- Und wo helfen nur Zynismus oder Rückzug?
- Wie viel Flexibilität im Arbeitsumfeld und bei Vertragsverhältnissen ist für Arbeitnehmer und Organisationen sinnvoll?
Panel I: Soll ich? Muss ich? Darf ich eigentlich?
Soll Engagement stets uneigennützig sein? Muss ich die Welt retten? Darf ich eigentlich auch mal an mich selbst denken? Welche Verantwortung trage ich als Mitarbeiter einer internationalen Organisation? Diese und ähnliche Fragen diskutieren am Freitagmorgen Prof. Dr. Gerhard Kruip, Prof. Dr. Manuel Fröhlich und Prof. Dr. Gerhard Lohmann. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Prof. Dr. Corinna Mieth. Ein Ergebnisprotokoll mit unterschiedlichen Ansätzen:
I. Muss ich die Welt retten?
1) Niemand kann dazu verpflichtet werden etwas zu tun, was er nicht tun kann.
2) Verantwortung muss jeder soviel übernehmen, wie er es jeweils kann. Bekannt als „Formel des Quantum satis“ oder nach Prof. Fröhlich als „Topflappenspruch 2.0“
II. Darf ich auch mal an mich denken?
1) Wir sollen dauerhaft Verantwortung übernehmen können. Dazu gehört auch eine ausgeglichene Work-Life-Balance zu schaffen und z.B. eine psychische Stabilität zu entwickeln oder beizubehalten.
2)Man hat eine besondere Verantwortung für Nahestehende.
3) In der Bibel steht: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst.“ Daraus leitet Dr. Gerhard Kruip ab: Man darf auch an sich denken.
III. Welche besondere Verantwortung haben Bedienstete Internationaler Organisationen?
1) Als Bediensteter einer internationalen Organisation hat man einen besonderen Status, weil man den „Kindergarten der unterschiedlichen Interessen“ wie es Prof. Fröhlich nannte, von oben betrachten kann.
2) Eine besondere Verantwortung entsteht aus der organisatorischen Situation der UNO: Dinge passieren nur, wenn die entsprechenden Bediensteten der IO sie tun.
3) Weil es für die internationale Politik keine Umfragen gibt, aus denen man den Willen der Mitmenschen ableiten könnte, spielt der persönliche Ermessensspielraum eine große Rolle. Menschen in verantwortungsvollen Positionen sollten sich stets selbst prüfen, weil die Politik im Inneren des Einzelnen anfängt. Aus Ideen werden Taten. Selbstprüfung kann auch politisches Kapital sein, denn internationale Bedienstete müssen überzeugen können.
4) IO-Mitarbeiter sind Vorbilder im höchsten Maße.
IV. Soll Engagement uneigennützig sein? Ist es falsch sich zu engagieren, um seinen Lebenslauf „aufzuwerten“?
1) Kant: Wenn ich etwas Gutes aus den falschen Gründen tue, dann ist es nichts wert.
2) Man muss vermeiden, dass die moralisch Guten die Dummen sind. Daher ist es auch legitim, Anreize für moralisch richtiges Handeln zu schaffen.
3) Moral verlangt nicht, auf Eigeninteressen zu verzichten. Ein Eigeninteresse wäre es schließlich auch, wenn man durch Engagement für das Gute einen moralischeren Menschen aus sich machen wollte.
Panel II: Was macht EZ so spannend obwohl sie doch nur so selten funktioniert?
Prof. Daniel Esser, Tobias Denskus (beide aus dem CSP-Netzwerk) und Susanna Krüger (good-root.org) vertraten bei der Beantwortung der Titelfrage recht unterschiedliche Positionen. Gemeinsam mit den Stellungnahmen aus dem Publikum war von einer pessimistisch-fatalistischen bis zu einer optimistisch-zukunftsweisenden Haltung gegenüber den internationalen Organisationen, die im Bereich der EZ arbeiten, nahezu jegliche Ansicht vertreten.
Prof. Daniel Esser teilte die Leitfrage in zwei Thesen auf:
1. EZ ist spannend
Die Frage, was EZ so spannend macht, dass sich zahlreiche Carl@s für einen Anschlussvertrag entscheiden, deutschlandweit neue Lehrstühle und Studienprogramme mit direktem EZ-Bezug ins Leben gerufen werden und Deutschland nach den USA und Großbritannien den dritten Platz in privaten EZ-Spenden einnimmt, rief sehr unterschiedliche Antworten hervor. Einerseits locken Image und Prestigeträchtigkeit der Branche verbunden mit der internationalen Mobilität und den Freiheiten, die ein Job in der EZ mit sich bringt. Viele Carl@as finden die Branche aber auch attraktiv, weil der normative Anspruch der EZ den moralischen Verpflichtungen entgegenkommt, mit denen sich die Gesellschaft konfrontiert sieht. Und schließlich reizt viele auch die hohe Komplexität der EZ und der große Handlungsspielraum, der sich aus dem Fehlen standardisierter Prozesse ergibt. Dass EZ sich im Spannungsfeld von Ethik, Recht und Politik bewegt und wir uns die Frage stellen müssen, wie wir damit umgehen und wo wir uns darin wieder finden, illustriert diesen Reiz am Ungewissen. Susanna Krüger hob darüber hinaus hervor, dass gerade der derzeitige Kontext, in dem EZ stattfindet, es so interessant macht, sich in EZ zu engagieren. Sie nannte hierzu fünf Punkte: erstens, der Westen steht nun in Konkurrenz zu neuen emerging powers wie Indien und China, so dass westliche Planungsstandards an Relevanz verlieren und wir uns stattdessen vermehrt in der Koordinierung engagieren müssen. Zweitens, die großen Organisationen planen anders, da EZ zu einer wachsenden Nische geworden ist, in der neue Akteure eine zunehmend wichtige Rolle spielen, wie die Beispiele von Jeffrey Sachs oder Williams Easterly zeigen. Drittens, auch vor Ort gibt es neue Akteure, die philantropischen Geber, die ihr Augenmerk auf Konzepte wie venture capital, den gesellschaftlichen Mehrwert bestimmter Investitionen, Verhandlungen auf Augenhöhe und capacity building richten. Viertens, aufgrund der zunehmenden Transparenz, neuer Teilhabemodelle und präziserer Evaluationen ist die EZ durchschaubarer geworden. Als letzten Punkt führte Susanna an, dass der Druck auf das Vorzeigen von Ergebnissen zugenommen hat, weshalb Akteure der EZ verstärkt rechenschaftspflichtig sind. Aus dieser Perspektive erscheint das Engagement in der EZ sowohl spannend als auch lohnenswert, doch führt sie auch zur zweiten These.
2. EZ funktioniert nur selten
Studien haben ergeben, dass EZ weniger effektiv ist als erwartet, so wird beispielsweise häufig argumentiert, dass die Millenium-Entwicklungsziele verfehlt werden. Die Gründe hierfür liegen zunächst in den technischen Problemen, mit welchen Projektmanagement im Allgemeinen behaftet ist, darüber hinaus aber auch in Aspekten, die der EZ eigen sind. So bleibt etwa die monetäre Planungssicherheit minimal, da es sich bei EZ um eine globale Industrie handelt, die von marktwirtschaftlichen Regeln bestimmt wird. Zudem orientieren sich die Inhalte der EZ häufig an politischen Faktoren und nicht am Bedarf. Diese Tatsache wird durch die ‚doppelte Doppelmoral‘ der Geberländer bestärkt, welche von den Partnerländern weniger Politisierung und mehr Transparenz fordern, dabei jedoch darauf verzichten würden, sich an ihrer eigenen Nase zu packen. Laut Daniel Esser würden dementsprechend auch wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert, die den ideologischen Eingaben der Geberländer widersprächen. Tobias Denskus hingegen sieht das Problem vielmehr darin, dass an die EZ besondere Maßstäbe angelegt würden, wobei sich die Begrifflichkeiten ‚gut/schlecht‘ in ständigem Wandel befänden. Er plädiert dafür, die EZ als kontinuierlichen Aushandelsprozess anzusehen, in dem jedes Projekt auf seine Weise erfolgreich sein kann, wenn nur andere Maßstäbe angesetzt werden und auch kleine Fortschritte die ihnen gebührende Anerkennung erhalten. Tobias veranschaulichte die Strukturierung der EZ mit einem Eisbergmodell, an dessen Spitze innovative, flexible social entrepreneurs stehen, gefolgt von den großen internationalen Organisationen, die auf der relativ bekannten, sicheren Wasseroberfläche den Eisberg umschiffen. In der Tiefe der Gewässer befindet sich der eigentliche Inhalt der EZ: die noch sehr wenig erforschten komplexen Zusammenhänge, in welche die bottom billion dieser Welt eingebettet sind. Seine Empfehlung ist, diese drei Ebenen stärker zu verzahnen - von kreativem Schreiben an der Spitze bis zur Forschung zum Erwerb qualitativer Informationen in der Tiefe. 
Mit Blick auf politische Entscheidungsträger wurde als Fazit aus der Diskussion festgestellt, dass der Überhöhung der EZ durch mehr Demut, einen stärkeren Fokus auf die Politik und eine intensivierte Ergebnisorientierung entgegengewirkt werden sollte. Ergänzend hierzu sollte die Wissenschaft nicht nur auf Beratungsfunktionen reduziert sein, sondern ihren Mehrwert - reflektiertes Nachdenken - in die EZ einbringen. Dies könnte ein erster Schritt zur Widerlegung der zweiten These sein, so dass EZ nicht mehr nur spannend ist, sondern tatsächlich auch meistens funktioniert.
Panel III: Generation flexibel – Wie viel Flexibilität ist sinnvoll?
Das Berufsfeld „internationale Organisationen“ ist ein komplexes, es schwankt unter Anderem zwischen Drei-Monats-Verträgen und Lebenszeitverbeamtung, zwischen personalpolitischen Ansprüchen und organisationspolitischen Realitäten internationaler Verwaltungen. Angesichts solcher Realitäten war dieses Panel von einer lebhaften Diskussion darüber geprägt, wie viel Flexibilität der „Generation flexibel“ tatsächlich sinnvollerweise abverlangt werden sollte.
Den Auftakt machte eine Präsentation von Victoria Rietig aus dem CSP-Netzwerk, die einige ausgewählte Ergebnisse aus der Online-Umfrage „Wie flexibel sind wir?“ vorstellte, an der sich etwa 150 Mitglieder des Netzwerkes im Vorfeld des Jahrestreffens beteiligt hatten. Befristete Kurzzeitverträge, Planungsunsicherheit und Fernbeziehungen über tausende von Kilometern sind Erfahrungen, die viele CSPler verschiedener Jahrgänge teilen.
Jens Behrendt, Leiter der Personalabteilung des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze (ZIF), zeichnete die Entwicklung von Personalplanung und Vertragsarten im UN-System seit den 1980er Jahren nach. Er ermutigte dazu, bei der Karriereplanung einen bildlichen Rucksack mit soft skills und allgemeinerem Wissen zu füllen, der eine möglichst flexible Einsetzbarkeit ermöglicht. Gleichzeitig sprach er zusätzliche Kosten an, die dem UN-System dadurch entstünden, dass langfristige Personalplanung kaum möglich sei, wie etwa das Schwinden der institutional memory.
Ein weiteres Problem sei das Fehlen von accountability, das Hans Willmann als „Lift the carpet“-Syndrom bezeichnete. Wilmann ist als Team-Leader in Recruitment, Classification and Organizational Design bei der WHO in Genf täglich mit den Herausforderungen des Personalmanagements konfrontiert. Er betonte, dass der Trend einer zunehmend projektbasierten Unterstützung durch die Geber einerseits nachvollziehbar sei, gleichzeitig aber das Personalmanagement vor die Herausforderung stelle, nachhaltige Karrierewege unter kaum planbaren Bedingungen zu ermöglichen.
Für Alexa Tiemann, die als Doktorandin an der Hochschule St. Gallen und Beraterin für die Weltbank die Chancen und Unwägbarkeiten der Flexibilität in d er eigenen Arbeit erfährt, ist ihr bekannter Blog eine Möglichkeit, sich kritisch mit dem Berufsfeld auseinanderzusetzen.
Schließlich stellte Laura Ahrens, Referentin für Personalpolitik bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik bei der EU, die Arbeitssituation im EU-System vor und informierte über die Unterstützungsmöglichkeiten des Auswärtigen Amtes.
Auf die Frage, was das CSP-Netzwerk auf praktischer Ebene tun könne, um die Situation zu verbessern, empfahlen die Panellisten einerseits, das Netzwerk als Ort gegenseitiger Unterstützung zu nutzen, aber andererseits auch Möglichkeiten des politischen Lobbying in Betracht zu ziehen. Kooperationen mit anderen Netzwerken wie etwa dem VdBIO, dessen Vorsitzender Hans Willmann ist, oder anderen potenziell betroffenen Gruppen seien dabei naheliegende Optionen. Mit Wolfgang Stöckl, dem Vize-Vorsitzenden der United Nations International Civil Service Commission, habe Deutschland zudem gegenwärtig ein offenes Ohr für deutsche und internationale Personalfragen. Ziel sollte es sein, Flexibilität nicht nur als gegeben hinzunehmen, sondern auch Rahmenbedingungen für die Arbeit in internationalen Organisationen aktiv mitzugestalten.
Workshopphase
Die Workshopphase des diesjährigen Herbsttreffens widmete sich vier Themen: erstens, den möglichen UN-Karrierewegen in psychosozialen Arbeitsfeldern, zweitens, dem Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis der Entwicklungszusammenarbeit, drittens, der Initiative "Carlo's Social Responsibility", und viertens, dem Jahresthema 2011.

Im ersten Workshop, "UN-Karrierewege in psychosozialen Arbeitsfeldern", gab Frau Prof. Angelika Groterath den interessierten Mitgliedern einen Einblick aus ihren Arbeitserfahrungen der letzten zwanzig Jahre. Psychosoziale Arbeitsfelder setzen einen Fokus auf kommunikative und interaktive Fähigkeiten, die angesichts neuer Herausforderungen in internationalen Organisationen weiter an Bedeutung gewinnen. Determinanten der erstarkten Nachfrage sind ebenfalls die Relevanz der NGOs und die Verschiebung der Prioritäten einiger Geberländer. Die gestiegene Nachfrage trifft jedoch auch auf ein größeres Angebot psychosozialer Studiengänge.
Der zweite Workshop mit dem Titel "Von der Uni ins 'Feld'", geleitet von Tobias Denskus und Prof. Daniel Esser (beide aus dem CSP-Netzwerk), regte den Austausch über Karrierewege in der EZ sowie Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis an. Beispielsweise tummeln sich auf dem globalen EZ-Markt zunehmend gut ausgebildete Fachkräfte aus dem globalen Süden. Die Runde diskutierte, wie sich CSPler durch spezielle Kompetenzen weiterbilden und besser positionieren können. Insgesamt besitzen gerade die Deutschen jedoch eine generell hohe Qualifikation. Weiterhin tauschten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen zur Promotion über entwicklungspolitische Fragen aus. So scheint es beispielsweise empfehlenswert zu sein, die eigene wissenschaftliche Forschung und die Arbeit in einer internationalen Organisation zu trennen.

Der dritte Workshop "Carlo's Social Responsibility" (CSR) unter der Leitung von Ann-Kathrin Scheuermann und Johannes Curtius (beide aus dem CSP-Netzwerk) eruierte, auf welchem Weg das CSP-Netzwerk seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen kann. Idealerweise würden die Stipendiaten dadurch etwas an die Gesellschaft zurückgeben. Die Arbeitsgruppe setzte ihren Fokus auf Engagement im Bildungsbereich. Neben der Kooperation mit bestehenden Initiativen erwägt die Gruppe ein "Engagementtelefonbuch" im Intranet zu verankern. Darin sind Stipendiaten mit dem Bereich ihrer Expertise und ihrem Aufenthaltsort verzeichnet, die dann für ein potentielles gesellschaftliches Engagement direkt angesprochen werden können.
Der vierte Workshop befasste sich mit dem neuen Jahresthema. Der gemeinsame Vorschlag der Arbeitsgruppe ist das Thema "Wasser". In diesem Jahr hat der UN-Menschenrechtsrat das Recht auf Zugang zu sauberem Trinkwasser zum Menschenrecht erklärt. Damit würde sich das Netzwerk ein aktuelles und zugleich wichtiges Thema setzen, das eine Vielzahl möglicher Diskussionen anregen könnte. Beispiele wären der Konflikt zwischen Wasser als Menschenrecht und Wasser als wirtschaftlichem Gut, Wasser in der Landwirtschaft, sowie Wasser und Gesundheit. Nicht zuletzt ist Wasser bereits heute Gegenstand vieler erbitterter ziviler Konflikte. Darüber hinaus soll das neue Jahresthema auch zum aktiven Mitmachen anregen, etwa durch Planspiele auf der Basis realer Entwicklungsprojekte im Wassersektor.
Festveranstaltung anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Carlo Schmid Programms
Den 10-jährige Geburtstag des Carlo Schmid Programms begingen Carlos und Carlas mit ihren Förderern am Freitag den 5. November im historischen Leibnizsaal in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit einem Festvortrag von UN-Botschafter Dr. Peter Wittig zur Rolle Deutschlands in den Vereinten Nationen. Durch das Programm führte Dr. Nina Lemmens vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Die Präsidentin des DAAD, Prof. Sabine Kunst, belegte mit Ergebnissen einer Evaluation, dass mehr als 27% der Geförderten des CSP schließlich in einer Internationalen Organsation (IO) beschäftigt waren, fast 50% zeitweise nochmals weitere Berufserfahrung in einer solchen sammelten und 90% in einer Position mit einem internationalen Bezug arbeiteten. Der Leiter der Abteilung Wissenschaftssystem im BMBF, Ulrich Schüller, bezeichnete das CSP als gelungenes joint venture. Da aus Sicht der Bundesregierung die Repräsentanz von Deutschen in IOs nach wie vor zu gering sei, wolle man entsprechende Bemühungen auch budgettechnisch sichtbar machen. Dr. Gerhard Teufel, Generalsekretär der Studienstiftung, brachte das Kunststück fertig, mit den drei Seelen Tübingen, Stuttgart und Bonn in seiner Brust zu sprechen. Tübingen, der Heimatstadt Carlo Schmids. Stuttgart, weil er die Grüße und Glückwunsche der Robert Bosch Stiftung ausrichtete, und Bonn, dem Standort der Studienstiftung und des DAAD, die im CSP zu einer exzellenten Ehe zusammengefunden hätten.
Christoph Senft, Vorsitzender des CSP-Alumninetzwerks, zäumte das Grußwortpferd von hinten auf und begann mit Ausblick und Kritik, dankte nach einer kurzen Rückschau auf die Entwicklung des Netzwerks den Förderern und begrüßte die erheiterten Gäste erst ganz am Ende seiner Rede. Er stellte erstens die Frage nach den Grenzen des Programms und des Alumninetzwerks, zweitens nach der Verschiebungen der Nationalitäten innerhalb der IOs, und verwies drittens auf die zum Teil prekären Arbeitsverhältnisse in IOs.
Botschafter Dr. Peter Wittig erläuterte in seiner Rede, weshalb Deutschland in den VN mehr Verantwortung übernehmen, solle, wolle und könne. Er begründete das intensive Werben Deutschlands, für seine Wahl zum nichtständigen Sicherheitsratmitglied mit den folgenden Argumenten: Erstens, sei Deutschland eine vom Multilateralismus und Friedenspolitik überzeugte Mittelmacht. Zweitens, trage Deutschland finanziell als drittgrößter VN-Beitragszahler und personell mit mehr als 7000 Soldaten im Auslandseinsatz erhebliche Ressourcen bei. Drittens, wolle Deutschland wie in Artikel 23 der VN-Charta festgelegt Frieden und Sicherheit gestalten und als drittgrößter Geber in absoluten Zahlen durch seine Entwicklungspolitik das wirtschaftliche und soziale Umfeld von Staaten stabilisieren. Deutschland wolle seinen Beitrag zur Sisyphosarbeit der Krisenprävention und -nachsorge leisten, um Wiederaufbau zu konsolidieren und das Wiederaufflammen von Konflikten zu vermeiden.

Zum Abschluss der Festveranstaltung wurden die besten Fotos des Wettbewerbs zum Thema „Perspektivwechsel“ prämiert. Feline Freier (8. Jahrgang) gewann den ersten Preis für ein Foto aus aus Feuerland mit dem Titel „El caballero del fin del mundo“ („Der Reiter am Ende der Welt“), der zweiten Preis ging an Joschka Gerigk (9. Jahrgang) für sein Foto von einem vietnamesischen Müllmann im Regen. Die „Bronzemedaille“ erhielt Johannes Curtius (8. Jahrgang) für sein Foto von Straßenfußball spielenden Kindern in Ecuador. Weiterhin wurden Julika Breyer, Silvan Vesenbeckh, Philipp Gondecki, Reni Kommick, Susanne Melde, Anne Kathrin Herrmann und Kerstin Meins für ihre fotographischen Arbeiten ausgezeichnet.
Auch die Carlos Arne Hofmann am Bass, Christoph Lüttmann am Saxophon und Friedrich zur Heide am Klavier bewiesen künstlerisches Talent und mit ihren persönlichen Interpretationen der „Ode an die Freude“ und von „Heal the World“ auch viel Humor.
Besonders möchten wir dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Robert-Bosch-Stiftung danken, deren großzügige finanzielle und logistische Unterstützung uns die Durchführung der Tagung ermöglicht hat. |