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Daniel Eßer / ILO, Genf
 

Bericht
über mein Praktikum im International Labour Office in Genf
im Zeitraum vom 01.10.2001 bis 31.03.2002
im Rahmen des Carlo Schmid-Programms für Praktika in Internationalen Organisationen

Beginn des Praktikums

Die Einführung am ersten Arbeitstag wurde von einem Kollegen meines Supervisors vorgenommen. Er war durchaus motiviert, mir sowohl die formalen als auch die politischen Besonderheiten zu erläutern, die den Arbeitsalltag in einer Internationalen Organisation prägen. 

Mein Supervisor nahm dann am dritten Praktikumstag eine vor allem thematische Einweisung vor, die mein Verständnis des zu bearbeitenden Arbeitsbereichs durchaus gefördert hat. Er nahm sich ausreichend Zeit und vermittelte mir das Gefühl, daß er sich auf mein Kommen gefreut hatte. Generell entstand der Eindruck, daß man sich gut auf mein Kommen vorbereitet hatte.

Der erste Eindruck war insofern ausgesprochen positiv, der Einsatzbereich stimmte eindeutig mit der Tätigkeitsbeschreibung in der Ausschreibung überein. Etwas später fand auch eine Vorstellung gegenüber Kollegen statt. Alle Mitarbeiter, mit denen ich anfangs zusammen-arbeitete, waren überaus freundlich und hilfsbereit. 

Verlauf des Praktikums und Aufgaben

Im Oktober 2001 und November 2001 arbeitete ich vor allem an der Erstellung von Personalmanagement-Trainingsmodulen. Hierfür erstellte ich Präsentationen auf Basis vorhandener und eigener wissenschaftlicher Recherche. Anfang November nahm ich an der bislang einzigen von den Trägern des Programms organisierten Veranstaltung für die Stipendiaten in Genf teil. Ab Mitte November 2001 war ich zudem in die Erstellung von Fallstudien im Rahmen des Global Compact, einer Initiative des UN-Generalsekretärs Kofi Annan, involviert. Der arbeitsrechtliche Teil dieser Initiative wird von dem Department, in dem ich eingesetzt war, mitverantwortet.

Im Rahmen meiner Mitarbeit im oben genannten „Global Compact“ hatte ich dann vom 23. November 2001 bis 3. Dezember 2001 die Gelegenheit, erste Felderfahrungen zu sammeln. Anläßlich eines sogenannten „Learning Forums“ zum Global Compact in Bangkok, Thailand, waren bereits in Genf Unterlagen vorzubereiten und Anfragen von Teilnehmern zu beantworten. In Bangkok habe ich dann hauptsächlich einen Kollegen unterstützt. Zeit blieb auch für zwei bereits von Genf aus organisierte und vorbereitete Firmenbesuche und Fallstudieninterviews. Gerade dieser Bestandteil meiner ersten „Mission“ hat nachhaltig positive Eindrücke hinterlassen. Allerdings war es auch überaus interessant für mich, die ILO erstmalig nach außen mitzuvertreten und mit Externen zusammenzuarbeiten.

Im Dezember 2001 stand dann vor allem die Nachbereitung der Bangkok-Reise an. Zudem waren die Fallstudien zu verfassen und mit den Beteiligten abzustimmen. Darüber hinaus war ich von meinem Supervisor gleich nach Rückkehr aus Thailand gebeten worden, einen Projektentwurf für ein Non-Diskriminierungsprojekt in Argentinien zu erstellen, das dann im Laufe des ersten Quartals 2002 umgesetzt werden sollte. Zudem habe ich in der letzten Woche vor den Weihnachtsfeiertagen eine Datenbank zur besseren Pflege und Auswertung der externen Kontakte programmiert.

Im Januar 2002 habe ich weitere Fallstudien zum Thema „good labour practice“ erstellt und mögliche Szenarien für das Argentinien-Projekt erstellt. Hinzu kam ein Arbeitsauftrag meines Supervisors, der die Erstellung eines sogenannten „FAQ-Dokuments“ betraf. Dieses Dokument hat zur Zielsetzung, Managern den Zugang zu Internationalen Arbeitsstandards zu vereinfachen, indem es häufig gestellte Fragen aufgreift und leicht verständliche Antworten bereithält.

Der Februar 2002 stand im Zeichen der Erstellung des FAQ-Dokuments, das unter anderem mit verschiedenen internen Kollegen abzustimmen war. Wie in den anderen Monaten auch, habe ich zudem im Februar überdurchschnittlich viele administrative Aufgaben übernommen. Dies umfaßte neben Korrespondenz, schriftlich und fernmündlich, und Meetingvorbereitung auch die Korrekturarbeit einer Publikation meines Supervisors. Im Februar fiel außerdem die Entscheidung, nach Beendigung meines Praktikums für weitere fünf Monate als Consultant für die ILO zu arbeiten, und zwar im selben Department und weiterhin für meinen Supervisor.

Anfang März war ich aus persönlichen Gründen für zehn Tage von der Arbeit befreit. Nach meiner Rückkehr schloß ich die letzte Arbeitsversion des FAQ-Dokuments ab und begann mit der wissenschaftlichen Recherche für das neue Schwerpunktthema unseres Programms, „Sozialverträgliche Unternehmensrestrukturierung“. Mein Beitrag wurde dahingehend vereinbart, daß ich ein umfassendes Trainingsmodul erstellen und bis Ende Juli ein ca. 50-seitiges Diskussionspapier schreiben soll. Ende März endete meine Praktikumszeit.

Lernerfahrungen

Durch mein Praktikum in der ILO habe ich

  • meine Kommunikationsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz weiter ausgebaut
  • effizient in einem internationalen Umfeld zu arbeiten gelernt
  • erste Erfahrungen im „Feld“ sammeln können
  • die Weltsprache Englisch zunehmend sicherer einzusetzen vermocht
  • meine Spanisch- und Französischkenntnisse vertieft
  • gelernt, erfolgreicher mehrere Arbeiten gleichzeitig zu verfolgen
  • wesentliche Arbeitsbereiche der ILO und kooperierender Organisationen kennengelernt
  • einen wertvollen Einblick in die Projektarbeit bei einer Internationalen Organisation erlangt
  •  einen ersten Überblick über die Beschäftigungsmöglichkeiten in der UNO im allgemeinen und der ILO im speziellen gewonnen.


Bewertung

Das Praktikum war eine in vielerlei Hinsicht wertvolle Erfahrung. Es hat mir einen Einblick in die Arbeitswelt der Internationalen Organisationen ermöglicht, den ich auf absehbare Zeit wohl nicht oder nur unter anderen Bedingungen hätte erlangen können. Wie auch im Abschnitt „Lernerfahrungen“ bereits dokumentiert, habe ich mein Wissen eindeutig erweitern können. Mein Supervisor hat sich als hochkompetenter Fachmann herausgestellt, von dem viel zu lernen war. Anzumerken ist auf jeden Fall auch, daß die finanzielle Unterstützung im Rahmen des Programms, auch wenn sie für viele nicht ganz kostendeckend war, eine hervorhebenswerte Komponente des Programms ist, weil die Konzentration auf die anfallende Arbeit doch maßgeblich vereinfacht wird. Ich sehe mein Praktikum bei der ILO daher als Grundsteinlegung zu einem Berufsweg im internationalen Umfeld an. Ich bin dankbar, daß die Träger des Carlo Schmid-Programms mir diesen Schritt ermöglicht haben.


Genf, im Juni 2002
Daniel Eßer

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