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Christian E. Rieck / CEPAL, Mexico City

Bericht
über ein Praktikum bei der
Comisión Económica para América Latina y el Caribe CEPAL, Sede Subregional México D.F., México
Im Zeitraum vom 01.10.2002 bis 31.12.2002
Im Rahmen des Carlo-Schmid-Programms für Praktika in Internationalen Organisationen

Aufgaben und Tätigkeit

Das im Rahmen des Carlo Schmid-Programms geförderte Praktikum fand vom 01. Oktober bis zum 31. Dezember des Jahres 2002 bei der Wirtschafts- und Sozialkommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik CEPAL statt, Regionalbüro für Zentralamerika und Mexiko mit Sitz in Mexiko Stadt.

Ich war bei Claudia Schatán in der Einheit für Industrielle Entwicklung untergebracht, wo ich zu einer Studie zum Thema „Wettbewerbssituation in nichtregulierten Sektoren in Zentralamerika“ beitrug. Sie wird Anfang 2003 in der Reihe „Series CEPAL“ erscheinen.

Mein Tätigkeitsfeld umfasste vorwiegend die Themen Wettbewerbspolitik und Kleine Ökonomien sowie Regionale Wirtschaftsintegration. Des weiteren war ich aktiv an der Datenrecherche in den erwähnten Sektoren beteiligt, vorwiegend im Bereich der internationalen Märkte. Auch schrieb ich eine allgemeine ökonomische Einführung zur Marktmacht von Kartellen, die in dieser Form auch Eingang in das Schlussdokument fand. Arbeitssprache war dabei durchweg Spanisch.

Nach den Gesprächen mit Frau Schatán zu urteilen, waren meine spezifisch europäischen Erfahrungen bezüglich wirtschaftlicher und politischer Zusammenarbeit in der Union, sowie mein deutscher Zugang zur Forschungsmaterie Wettbewerb der Studie sehr förderlich. Wettbewerbsrechtliche Systeme in Lateinamerika generell und noch mehr in den unterentwickelten Ökonomien Zentralamerikas sind schwach institutionalisiert und werden nur unzureichend durchgesetzt. Wissenschaftlich ist dieses Thema vor deutschen und europäischen Erfahrungen durchaus interessant.

Da ich bereits im Vorfeld mit meinem Supervisor meine Tätigkeit in der Abteilung besprechen konnte war ein sehr passgenauer Einsatz möglich. Meine Studienschwerpunkte deckten sich weitgehend mit den geforderten Qualifikationen: ich spezialisiere mich auf Wettbewerb und Föderalismus.

Wenngleich ich mich in meinen rechtswissenschaftlichen Studien mehr mit politischer denn mit wirtschaftlicher Integration befasst hatte, war doch die volkswirtschaftliche Forschung für mich ebenfalls sehr wertvoll. Ich habe also während meines Praktikums sehr viel Information zum Thema Regionale Wirtschaftsintegration ausfindig gemacht, die es nun in meiner volkswirtschaftlichen Abschlussarbeit auszuwerten gilt.

Soweit ich das zu beurteilen vermag, konnte ich mich fachlich sowie persönlich sehr gut ins Projekt einbringen. Betonen möchte ich, dass ich mich hervorragend entwickeln und einbringen durfte. Die Arbeit war dabei stets projektorientiert, nie verwendungsfremd.

Dazu muss ich erwähnen, dass ich im Projekt kurzfristig die Stelle eines Mitarbeiters der Abteilung auszufüllen hatte, der kurz zuvor seine Arbeits- gegen eine Promotionsstelle im Ausland eingetauscht hatte. Meine Praktikumsbewerbung war also zum richtigen Zeitpunkt eingegangen, ich damit als vollwertiges Mitglied im Team integriert.

Auch bekam ich ein eigenes, voll ausgestattetes Büro mit Internetzugang zugewiesen. Ich hatte innerhalb der Vereinten Nationen keinerlei Zugangsprobleme zu Literatur, lediglich die Forschung in fremden Bibliotheken erwies sich aufgrund der bisweilen mangelhaften wissenschaftlichen Ausstattung auch der Fachbibliotheken als weit schwieriger als erwartet.

Jedoch kann alle gewünschte Literatur über die hausinterne Bibliothek gesucht werden lassen. Hier muss ich ein ausdrückliches Lob an das Bibliothekspersonal der CEPAL aussprechen, das stets freundlich und effektiv alle Literaturanfragen zu bearbeiten wusste.

Gesamteindruck und berufliche Zukunft

Der Gesamteindruck ist eindeutig positiv: Ich wurde mehr als Mitarbeiter denn als Praktikant wahrgenommen und durfte mich meinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechend ins Projekt einbringen. Dabei war ausreichend Zeit auch für meine persönlichen wissenschaftlichen Interessen.

Die Tätigkeit entsprach in weiten Teilen meinen Interessensgebieten, sie ist mit Sicherheit inhaltlich ein möglicher beruflicher Weg. Obgleich ein Beruf bei den Vereinten Nationen an fehlenden finanziellen Anreizen und fehlender Mobilität innerhalb der starren Hierarchien krankt, erschien mir die Arbeit als solche durchaus interessant. Die UNO hat daher standortabhängig im Mitarbeiterstamm an einer Vielzahl von Motivationsproblemen zu kämpfen.

Als Externer allerdings ergeben sich auch in den Vereinten Nationen immer mehr Möglichkeiten, Publikationen selbst oder als Koautor zu verfassen. Diese Auftragstätigkeit verbindet weniger Bürokratie mit der verdienstvollen Arbeit im Rahmen der UN.

Meinen weiteren beruflichen Werdegang hat das Praktikum bei der CEPAL dahingehend beeinflusst, dass ich eben diese externen Möglichkeiten der Kompetenzaneignung und des Quereinstiegs zu schätzen gelernt habe. Wenn schon keine Direktanstellung bei den entsprechenden Organisationen möglich oder erstrebenswert sein sollte, so stellten Beraterverträge doch eine interessante und zumindest kurzfristig befriedigende Alternative dar.

Mein Blick auf die Internationalen Beziehungen bleibt mit einer zukünftigen Tätigkeit in der wissenschaftlichen Politikberatung verbunden, wie und wo genau sich allerdings diese Perspektive konkretisieren wird, bleibt noch offen. Ein Einblick in die Funktionsweise einer Internationalen Organisation ist hierbei aber ungemein wertvoll, eröffnet sie doch gerade die Möglichkeit, zielgerichtet analytische und fachliche Erfahrung zu entwickeln, die später sinnvoll in den politischen Prozess eingebracht werden kann.

Das Praktikum bei der CEPAL hat mir auf diesem Wege einen wichtigen Schritt ermöglicht und mir erste Kontakte und Erfahrungen geschenkt. Die weitere Nachbereitung liegt nun bei mir.

Berlin, den 30.01.2003
Christian E. Rieck

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