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Carlo Schmid-Programm für Praktika in Internationalen Organisationen
UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), Paris
vom 04.09.2002 bis 30.06.2003 (zweiter Jahrgang)
Hintergrund: Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur
Diese Sonderorganisation der Vereinten Nationen wurde 1945 gegründet und hat ihren Sitz in Paris. Ihr Aufgabengebiet umfasst die Förderung der internationalen Zusammenarbeit auf den Gebieten Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation. In der UNESCO sind 190 (Stand 2003) Mitgliedsstaaten vertreten, darunter seit 1951 die Bundesrepublik Deutschland.
Die UNESCO hat folgende Organe:
§ Die Generalkonferenz ist das oberste Entscheidungs- und Kontrollorgan. Sie setzt sich aus Vertretern aller Mitgliedsstaaten zusammen und tagt alle zwei Jahre. Die Generalkonferenz bestimmt die Zielsetzung und allgemeinen Richtlinien für die Arbeit der UNESCO und entscheidet über die vom Sekretariat vorgelegten Programme sowie den Haushalt.
§ Der Exekutivrat wird von der Generalkonferenz gewählt. Er besteht aus 58 Mitgliedsstaaten, die auf vier Jahre gewählt werden. Der Exekutivrat stellt das Bindeglied zwischen Generalkonferenz und Sekretariat dar. Er überprüft das Arbeitsprogramm der Organisation und die Haushaltsvorschläge, die er der Generalkonferenz mit entsprechenden Empfehlungen vorlegt. Er tritt zweimal jährlich zu einer ordentlichen Tagung zusammen.
§ Das Sekretariat mit Sitz Paris wird von einem Generaldirektor geleitet, der vom Exekutivrat vorgeschlagen und von der Generalkonferenz für eine Amtszeit von 6 Jahren gewählt wird. Generaldirektor ist seit Ende 1999 Koichiro Matsuura, Japan.
Die UNESCO verfügt in den Mitgliedstaaten – so auch in Deutschland – über Nationale UNESCO-Kommissionen (http://www.unesco.de/), die eine zweifache Brückenfunktion erfüllen (Informations- und Beratungstätigkeit einerseits, Koordinierungsstelle für die Umsetzung des UNESCO-Programms andererseits).
(Auswärtiges Amt: ABC der Vereinten Nationen, 4.überarbeitete Auflage, Dezember 2000, Berlin)
Ankunft
Meine Ankunft in Paris und der Arbeitsbeginn bei der UNESCO liefen alles andere als optimal. Neben dem Stress der Wohnungssuche - die sich letztendlich über mehrere Wochen hingezogen hat - kam der doch schwierige Anfang bei der UNESCO. „Schwierig“ vor allem deshalb, weil sich an meinem ersten Arbeitstag herausstellte, dass ich aus rein bürokratischen Gründen den formalen Bewerbungsprozess für ein Praktikum bei der UNESCO durchlaufen musste. Ohne einen unterschriebenen Praktikantenvertrag hat man u.a. keinerlei Anrecht auf den Versicherungsschutz (zumindest während der Arbeitszeit) und man bekommt auch keinen Hausausweis, was das Betreten der Gebäude erheblich erschwert. Mit Hilfe meiner Kollegen und den Mitarbeitern der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der UNESCO habe ich es innerhalb von wenigen Tagen geschafft, alle benötigten Unterlagen vorzulegen, so dass ich mit ein wenig Verspätung „offiziell“ als Praktikant bei der UNESCO anfangen konnte.
Beschreibung des Arbeitsplatzes / Aufgabenbereich
Meine Aufgaben im Büro für strategische Planung (http://www.unesco.org/bsp) waren während der gesamten zehn Monate äußerst vielfältig. Diese Vielfältigkeit ermöglicht einerseits das Kennenlernen der unterschiedlichsten Programme und Initiativen der UNESCO. Andererseits wird man durch das häufige Wechseln der Arbeitsthemen und der Arbeitsgruppen eher zum Generalisten und keinesfalls zum Experten für ein spezielles Thema. Diese Tendenz wird durch die zentrale Koordinierungsfunktion des Büros für strategische Planung und die damit einhergehende Arbeitsweise eher noch verstärkt. Als zentraler Arbeitsbereich ist das Büro so etwas wie eine Miniatur-UNESCO mit Spezialisten für jeden Programmsektor (Erziehung, Kultur, Sozial- und Naturwissenschaften und Kommunikation). Aufgabe dieser sogenannten focal points (thematischen Ansprechpartner) ist es, jederzeit über die Arbeit der einzelnen Sektoren berichten zu können, beziehungsweise die Umsetzung der Programme zu überwachen.
Neben dieser Haupttätigkeit bearbeitet das Büro für strategische Planung noch ein paar für die UNESCO wichtige Querschnittsthemen (mainstreaming issues) wie u.a. Fragen der Gleichbehandlung von Frauen und Männern (gender), die Einbindung von Jugendlichen, die Integration der sogenannten Millennium Development Goals oder aber den Dialog zwischen den Kulturen (dialogue among civilizations).
Meine alltägliche Arbeit bestand hauptsächlich aus dem Erstellen von Berichten und dem Verfassen von Plänen und Konzeptpapieren. Außerdem war ich an der Organisation von Konferenzen und Seminaren beteiligt (Recherche, Konzeption, Einladung und Nachbereitung). Auf jeden Fall sollte man sich über die Natur der Arbeit im Vorfeld im klaren sein, um nachher nicht enttäuscht zu werden. Das Büro für strategische Planung ist ein idealer Ort, um in kurzer Zeit eine relative gute Übersicht über den gesamten Tätigkeitsbereich der UNESCO zu bekommen.
Im Laufe meines Praktikums habe ich unter anderem zu folgenden Themenfeldern (mit)gearbeitet:
§ Thesenpaper „The Culture of Innovation and the Building of Knowledge Societies“ / Organisation eines internationalen Expertenseminars in Moskau (November 2003)
§ Recherche und Thesenpapier/Zusammenfassung der Reformbemühungen innerhalb des VN-Systems, die Programme der Weltbank im Erziehungsbereich sowie zum Stand der Umsetzung der sogenannten Millennium Development Goals
§ Vorbereitung und Durchführung eines Arbeitstreffens mehrerer VN-Organisationen zum Thema „Erziehung und Terrorismus“ / Entwicklung eines UNESCO-Konzepts zum gleichen Thema
§ Vorbereitung einer internationalen Veranstaltung (in Zusammenarbeit mit der United Nations University in Tokio) zum Thema „Globalization with a Human Face – Benefitting All“
§ Thesenpapier über die Möglichkeiten der UNESCO zur Kooperation mit der Privatwirtschaft
§ Recherche und Dokumentation der Aktivitäten in Bezug auf gender issues (Fragen zur Gleichbehandlung) während des Weltsozialgipfels 2002 in Porto Alegre
Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen und Kontakt zu anderen Praktikanten
Die Betreuung durch meinen Vorgesetzten war zu jeder Zeit sehr gut und sehr angenehm. Vor dem Hintergrund, dass mein Betreuer durch seine Arbeit bei der UNESCO zeitlich sehr angespannt war, hatte er doch immer Zeit für ein Gespräch. Vor allem in der Anfangszeit wurde mir ausreichend Zeit gelassen, damit ich mich an die Arbeit der UNESCO und die des Büros für strategische Planung gewöhnen konnte. Wenn möglich, habe ich Kollegen in Sitzungen und zu Treffen begleitet und so relativ schnell einen guten Einblick in die alltägliche Arbeit gewonnen. Weiterhin hatte ich die Freiheit, mir selbständig kleinere Projekte und Aufgaben innerhalb des Büros zu suchen. Diese Möglichkeit habe ich genützt, um mit möglichst vielen Mitarbeitern des Büros zusammenzuarbeiten. Die Atmosphäre innerhalb des Büros war sehr offen, allerdings muss man selbst Initiative entwickeln und darf keinesfalls auf interessante und spannende Projekte warten. Mein Verantwortungsbereich hat nach und nach erheblich zugenommen, wobei ich immer Zeit hatte, um mitunter eigenen Interessen nachzugehen (zum Beispiel der Besuch eines Französischkurses bei der UNESCO).
Gesamteindruck: erwarteter Einfluss auf berufliche Zukunft
Nach dem Auslaufen meines Stipendiums habe ich mit einem befristeten Zeitvertrag im Büro für strategische Planung bis Ende Januar 2004 weitergearbeitet.
Im Vordergrund standen dabei vorrangig zwei Projekte:
§ Organisation eines internationalen Expertenseminars in Moskau
§ Projektassistenz im Projekt „Mondialogo“ (Public Private Partnership zwischen der UNESCO und DaimlerChrysler; http://www.mondialogo.org/)
Hintergrund: Die UNESCO hat im März 2003 mit DaimlerChrysler ein Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Die Partnerschaft trägt den Namen Mondialogo und besteht aus drei Teilprojekten: einem Schulwettbewerb, einem Ingenieurwettbewerb und einem Internetportal. Das Büro für strategische Planung hat auf Seiten der UNESCO die Koordinierungsfunktion übernommen und meine Aufgabe war es, die verantwortliche Projektmanagerin zu unterstützen. Im Rahmen dieser Tätigkeit war ich u.a. auf einer Dienstreise in Auckland, Neuseeland.
Als Fazit kann ich festhalten, dass sich die Teilnahme am Carlo Schmid-Programm für mich auf jeden Fall mehr als gelohnt hat. Ich habe einen tiefen Einblick in die Vorteile und auch die Nachteile einer Tätigkeit in einer internationalen Organisation gewonnen. Ich hatte nicht zuletzt das Glück, mit sehr kompetenten und offenen Mitarbeiten bei der UNESCO zusammenarbeiten zu dürfen. Als studierter Wirtschaftswissenschaftler habe ich es zu schätzen gelernt, mich in völlig fachfremde Themengebiete einarbeiten zu müssen.
An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, allen Mitarbeitern, die beim DAAD und bei der Studienstiftung mit dem Carlo Schmid-Programm beschäftigt sind, herzlich für ihren Einsatz zu danken! Ohne dieses Programm hätte ich es wohl nie zur UNESCO nach Paris geschafft und viele wertvolle Erfahrungen nicht machen können. Zu diesen wertvollen Erfahrungen gehört auch die Teilnahme an den zwei Sommerakademien. Die Gespräche und Diskussionen mit den anderen Stipendiaten und den Experten sind meines Erachtens ein wesentlicher Bestandteil der Carlo Schmid-Erfahrung. |