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Kerstin Eppert / UNDP, Genf

 

Carlo-Schmid-Programm 2002/03

ABSCHLUSSBERICHT

(Zusammenfassung)

 

Praktikumsdauer: 01.02. – 31.07.2003

Institution:           United Nations Development Programme (UNDP), Genf

                           Bureau for Crisis Prevention and Recovery, Recovery Cluster

 

Der folgende Kurzbericht ist eine Zusammenfassung meines Abschlussberichts zum Praktikum, dass ich vom 01.02. bis 31.07. 2003 im Bureau for Crisis Prevention and Recovery (Büro für Krisenprävention und „Wiederaufbau“) in Genf dank der finanziellen Unterstützung des DAAD machen konnte.

 

Studienhintergrund, Auswahl und Vorbereitung des Praktikums

 

Studium: Diplom-Studiengang Soziologie an der Uni Bielefeld, mit den Schwerpunkten Organisationssoziologie, Politikwissenschaft und Soziale Probleme & Problemintervention. Auslandsaufenthalt am IEP de Paris, Frankreich, mit den Schwerpunkten Geopolitik, Peace and Conflict Resolution und internationale Organisationen. Thema der Diplomarbeit „The Relation between Social Disintegration and International Organisations in the Process of Reconciliation and Recovery“.

 

Bewerbungsprozess (Programmlinie B): Insgesamt hatte ich Bewerbunge für ein Praktikum an vier verschiedene Stellen geschickt (OECD Paris, OSCE Wien (Konfliktpräventionszentrum), OSCE Warschau, UNDP BCPR Genf/New York). Zum Prozess des Bewerbens kann ich nur anmerken, dass es in allen drei Fällen nötig war, mehrfach anzurufen, die Bewerbung ein zweites, drittes und sogar viertes Mal zu faxen und zu e-mailen und auf jeden Schriftkontakt telefonisch nachzufragen, ob das Gesendete auch angekommen ist. Mein Eindruck war, dass die OSCE vergleichsweise weniger professionell organisiert ist als UNDP BCPR und die OECD in Paris, da sie Faxe immer wieder verlor, nicht auf Emails reagierte und auch bei telefonischen Rückmeldungen eher langsam war. Im Hinblick auf das Bewerbungsverfahren empfehle ich, mit den Rückfragen bei den respektiven Organisationen nicht schüchtern zu sein und nicht zu lange zu warten, um zu prüfen, ob die gesendeten Unterlagen tatsächlich angekommen sind.

 

Während meines Praktikums fragte ich den ehemaligen Direktor des Bureau for Crisis Prevention and Recovery, Herrn DeBoice, was seine Entscheidung für meine Kandidatur positiv beeinflusst hatte und einer der Gründe war das was er als „professionelle Kommunikation“ bezeichnete, d.h. die prompte Beantwortung von Rückfragen, das telefonische Nachfragen bei Emailkontakten und Faxen und meine Erreichbarkeit per Telefon und Email.

 

Sicherlich ist Kommunikation nur ein Teil der Bewerbung und das Profil sowie die Präsentation des persönlichen Vorhabens ebenfalls sehr wichtig, um überhaupt in Betracht gezogen zu werden.

 

Organisation und Aufgabenfelder

 

UNDP BCPR: Das heutige Bureau for Crisis Prevention and Recovery (BCPR) ist eine relativ junge Einrichtung innerhalb des United Nations Development Programmes (UNDP). Hervorgegangen ist es aus der Emergency Response Division (ERD), die 2000 von engagierten Mitarbeitern des UNDP gegründet und personell besetzt wurde. Der Zweck der Einheit war, jene UNDP Länderbüros (UNDP CO’s) die sich Bürgerkriegen und anderen gewaltsamen Konflikte gegenüber sahen durch kurzfristige Personalverstärkung und gezielte Beratung in ihrer Entwicklungsarbeit zu unterstützen.

 

Heute hat das Büro 101 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist in folgende Abteilungen aufgeteilt: Strategic Planning and Conflict Prevention, Justice and Security Sector Reform und Mine Action in New York; und Natural Disasters and Disaster Reduction, Recovery und Small Arms and Light Weapons in Genf.

 

Das BCPR ist eine UNDP-interne Serviceeinrichtung, die jene UNDP CO’s unterstützen soll, die durch einen internen oder internationalen gewaltsamen Konflikt besonderer Zuwendung bedürfen. Dies geschieht unter der Annahme, dass Entwicklungsplanung, so wie sie vom UNDP und den meisten anderen Entwicklungsorganisationen durchgeführt wird, sehr wohl Ressourcen besitzt, um mit klassischen Situationen umzugehen, nicht jedoch zusätzliches Wissen über das Verhältnis zwischen Entwicklung und Konflikt bieten kann. Wenngleich der Diskurs auf der internationalen Ebene seit einigen Jahren den „do-no-harm“ Ansatz kennt, ist dieses Konzept, soweit es angewendet wird, nicht gleichzusetzen mit einer Entwicklungsplanung, die situative Parameter eines post-Konfliktgebietes integriert und Friedensarbeit leistet. 

 

Meine Arbeit in der Recovery Unit: Die Recovery Unit ist eine der drei Genfer Einheiten, und konzentriert ihre Arbeit auf die folgenden Punkte: 1) Koordination von humanitären Einsätzen und Entwicklungsarbeit in den Phasen zwischen Beendigung der gewaltsamen Auseinandersetzung/Friedensgesprächen einerseits und der Konsolidierung von Frieden andererseits. 2) Partnerschaften zwischen UNDP und anderen UN Organisationen, den internationalen Finanzorganisationen, der Zivilgesellschaft, Nicht-Regierungsorganisationen und dem privaten Sektor.

 

Im ersten Entwurf meiner TOR’s (Terms of Reference, was einer Arbeitsplatzbeschreibung entspricht), war festgelegt, dass ich 60% meiner Zeit damit verbringen sollte, die Internetseite des Büros zu aktualisieren und zu erweitern, 20% meiner Zeit sollte der Unterstützung des CPR-Netzwerkes[1]zukommen, ebenfalls hauptsächlich durch unterstützende Arbeiten an der Internetseite, 10% waren Recherchen vorbehalten und weitere 10% für administrative Arbeit in der Einheit vorgesehen. Insgesamt war ich nicht besonders glücklich mit der Aufteilung, weil ich hauptsächlich an Internetseiten arbeiten sollte, was mich nicht wirklich interessierte. In den ersten drei Wochen hatte ich genug damit zu tun, zu verstehen, wie das Büro funktionierte, wie meine Arbeit sich in den Gesamtarbeitsplan der Einheit einfügte und was überhaupt an Aufgaben damit verbunden war. Als ich mich etwas eingewöhnt hatte, konnte ich ungefähr überblicken, was an weiteren Arbeiten möglich war und habe mich mit dem Chef der Einheit zusammengesetzt, um meine Aufgabenbeschreibung zu überarbeiten. Im Verlauf der sechs Monate kamen immer noch einige neue Aufgaben dazu und andere wurden weniger wichtig. Sowohl meine Supervisorin als auch der Leiter der Einheit hatten während meiner Zeit in Genf eigentlich immer ein offenes Ohr für meine Wünsche und waren bemüht darum, das Praktikum für mich zu einer wertvollen Erfahrung zu machen.

 

Bewertung

 

Insgesamt habe ich durch die vielen Berichte und Recherchen die ich gemacht habe einen guten Einblick in die verschiedenen Projekte des Länderbüros bekommen und hatte ständig Informationen über geplante Aktivitäten in den jeweiligen Ländern. Gleichzeitig hatte ich durch die weltweit gestreuten Fokusländer immer einen Überblick über die verschiedenen politischen und sozialen Entwicklungen in den jeweiligen Ländern. Dadurch, dass Genf eines der Hauptquartiere ist, bekam ich auch einen Eindruck davon, wie das UNDP auf HQ Ebene mit bi- und multilateralen Donors kooperiert, wieviele verschiedenen UN Gremien, Task Forces und working groups mit unterschiedlichen Themen zu UN Interventionen beschäftigt sind und so weiter.

 

Die Zeit in Genf hat mir in zweierlei Hinsicht weitere berufliche Perspektiven gegeben: Zum einen hat sich mein Vorhaben, in Konfliktanalyse und –transformation zu arbeiten, verwirklicht. Zum anderen habe ich festgestellt, dass das Thema, das ich mir für meine Promotion überlegt hatte, nicht wirklich aktuell ist und beschlossen, zunächst einmal ein, zwei Jahre praktische Erfahrung in  (Post-) Konfliktländern zu sammeln, bevor ich meine Dissertation beginne. 

 

Genf: Natürlich war die Praktikumszeit nicht nur Arbeit und ich habe die „andere“ Seite Genfs sehr genossen – so weit das in dieser unglaublich teuren Umgebung ohne viel Geld möglich ist. Allerdings ist das post-Graduiertenstipendium des DAAD doch so großzügig bemessen, dass ich nicht nur Spaghetti und Salat essen musste, wie das anscheinend bei einigen Vorgängern und Vorgängerinnen der Fall war. Meine Priorität beim Geldsparen fängt eigentlich immer bei meiner Unterkunft an, da ich lieber reise, ausgehe und esse als in einem Palast zu wohnen. So hatte ich ein Zimmer für 500 CHF im Foyer George Williams und kann das Wohnheim in zweierlei Hinsicht nur empfehlen. Zum einen ist es international bunt gemischt mit Afrikanerinnen, Persern, Araberinnen, Chinesen, Südamerikanerinnen und Europäern, so dass ein sehr abwechslungsreiches Kauderwelsch zusammenkommt. Zum anderen sind die Mitbewohnerinnen nicht nur Studierenden, sondern zum Teil junge Berufsanfänger/-innen, Praktikanten/-innen oder auch arbeitslos. Ich fand diese Zusammensetzung gut, weil es in Studierendenwohnheimen oft etwas langweilig wird, da eh alle ungefähr den gleichen Lebensrhythmus haben. Im Foyer konnte man das Leben in Genf aus unterschiedlichen Perspektiven beobachten und die verschiedensten Lebensgeschichten hören. Mir war das alles sehr wichtig. Außerdem liegt das Foyer recht praktisch und in wenigen Minuten ist man zu Fuß im Zentrum.

 

Im Mai/Juni ging in Genf die Sommersaison los und die Veranstaltungen rund um den See wurden belebt. Es gibt wöchentliche Gratiskonzerte im Park der Orangerie, Feuerwerke, schöne Boots-Bade-Picknick-Fahrten und einiges mehr, das ohne großen finanziellen Aufwand machbar ist.

 

Der krasse Gegensatz zwischen Arm und Reich in Genf war für mich recht gewöhnungsbedürftig und ich fand die Stadt an sich, abgesehen von ihren touristischen Reizen, eher ziemlich spießig und nicht sehr viel aufregender als Bielefeld. Wie immer hängt die Qualität des Lebens auch sehr von den Leuten ab, mit denen man umgeben ist und sich umgibt. In diesem Sinne – viel Erfolg an die nächste CSP Generation!


[1]Das CPR-Network ist eine multilaterale Initiative, die sich Conflict Prevention and Reconstruction ausschreibt. Siehe auch http://cpr.web.cern.ch/cpr/.

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