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Bericht über mein Praktikum bei der UNESCO in Thailand, Bangkok - "Kulturerbeerhaltung in Asien" - im Rahmen des Carlo-Schmid-Programms für Praktika in Internationalen Organisationen und Europäischen Institutionen (Jahrgang 2003, Programmlinie A)
Bangkok - Stadt der Extreme
Weltoffener als San Francisco, größer als London, preiswerter als Paris, freundlicher als Kopenhagen, lebensfroher als New York, wärmer als Kairo, näher als Sydney und -zumindest ausserhalb von Slums und Rotlichtvierteln- sicherer als Bielefeld. Das ist Bangkok. Aber auch lauter als Rom und verschmutzter als Osaka ...
Das war sie also, die Stadt, in der ich die nächsten sechs Monate für mein UNESCO Praktikum im Dienste der Kulturerbeerhaltung verbringen sollte.
Thailändische Lebensphilosophie
Sabai, sanuk und suay oder zu Deutsch: Bequemlichkeit, Spaß und Ästhetik . Das sind die Schlüsselbegriffe der thailändischen Lebensphilosophie. Entscheidungen werden danach getroffen, ob etwas angenehm bzw. schön ist und Spaß bringt. Ganz besonders viel Spaß haben Thais vor allem beim Essen, Shoppen, Fernsehen und Karaoke singen. Zum Unverständnis meiner asiatischen Kollegen hat Letzteres bei mir meistens eher einen Fluchtreflex ausgelöst, so dass ich bald ein breites Repertoire an Entschuldigungen parat hatte, die mich vor der Teilnahme an den kakaphonischen Singexzessen retteten.
Eine weitere Floskel, die die thailändische Mentalität zum Ausdruck bringt ist das mai pen rai (macht nichts). Zusammen mit einem freundlichen Lächeln wird damit gerne Problemen aus dem Weg gegangen.
Kulturerhaltung hautnah
Während meines Praktikums sollte ich ursprünglich an der Entwicklung des Asia-Pacific Performing Arts Networks (APPAN) arbeiten. Während der ersten beiden Wochen war mein Supervisor „on mission“, so dass ich die Zeit genutzt habe, mich in das Projekt einzulesen und mich mit der betagten Büroausstattung anzufreunden. Bei den 60er-Jahre Schreibtischen und den dazugehörigen Sesseln war das zwar aus ergonomischer Sicht bedenklich, aber zumindest möglich. Beim Rechner habe ich mich lieber auf mein eigenes Notebook verlassen, da das von UNESCO zur Verfügung gestellte Exemplar (Baujahr 1995) allenfalls noch dazu zu gebrauchen war, Akten darauf abzulegen. Auch die verstaubten Ordner aus vier Jahrzehnten belegten: UNESCO nimmt es sehr genau mit der Mission der Konservierung.
Uniwissen in der Praxis
Das Projekt, das ich letztendlich übertragen bekommen habe, war der Aufbau der UNESCO-ICCROM Asian Academy for Heritage Management, einem Netzwerk von Bildungsinstitutionen und Forschungsinstituten in Asien und dem Pazifik, die Aufbaustudiengänge mit Bezug auf Kulturerbe anbieten. Das Konzept hierfür lag schon seit zwei Jahren bereit, nur hatte es bislang an Personal zur Verwirklichung gefehlt.
Meine vollständige Aufgabenbeschreibung beinhaltete die Koordination und Administration der gesamten Asian Academy, die Konzeptualisierung einer entsprechenden Website, die Präsentation der Asian Academy auf internationalen Konferenzen und Meetings sowie die Organisation der ersten Field School der Asian Academy in Macau, China zum Thema „Conserving Asia’s built heritage.“ Dabei war ich direkt dem Regional Advisor for Culture in Asia and the Pacific unterstellt. Darüber hinaus betreute ich geeignete Universitäten im asiatisch-pazifischen Raum bei der Errichtung von „UNESCO Chairs for Culture Resource Management“. Insgesamt ein Arbeitsprofil, das sehr gut an meine Managementkenntnisse, Asienerfahrung und Kulturerbestudien anknüpfte.
Wohnen wo andere Urlaub machen
Das Freizeitangebot in Bangkok ist vielfältig, wobei Gourmets, Shopaholics und Spa-Liebhaber ganz besonders auf ihre Kosten kommen. Beim Kino- oder Theaterbesuch wird übrigens vor der Vorstellung die Nationalhymne gespielt, zu der sich das Publikum erhebt.
Wer den Trubel der Stadt für ein paar Tage hinter sich lassen möchte, profitiert von Bangkoks guter Lage. Bis zum nächsten Strand sind es zwei Stunden mit dem Auto und mit dem Flieger ist man in kürzester Zeit in Hanoi, Singapur oder auf Bali. Und wer wohnt, wo andere Urlaub machen, nimmt sich am besten ein Apartment mit grossem Gästezimmer, denn ein reger Besucherstrom ist einem in Bangkok gewiß.
Knappe Mittel und viel Verantwortung
Rückblickend war mein Praktikum bei der UNESCO eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Der Einblick in das Entscheidungsgeflecht einer internationalen Organisation war faszinierend. Trotz allen Glamours den man mit der UNESCO verbinden mag, wird auch dort nur mit Wasser gekocht. Wenn überhaupt, denn die UNESCO ist auf Sparkurs und deshalb bringt, wer auf seinen Kaffee im Büro nicht verzichten will, seinen Wasserkocher besser selber mit.
Aber nicht nur die Mittel sind knapp. Auch die Peronsaldecke ist dünn bei der UNESCO. Zeit für die Betreuung von Praktikanten bleibt da wenig. Wen das nicht abschreckt und wer darüber hinaus Eigeninitiative und Engagement mitbringt, wird jedoch sehr schnell in das internationale Team integriert und mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut. In meinem Fall leitete ich bald Meetings mit Professoren, die gut zweimal so alt waren wie ich und bin sogar einmal meiner eigenen Professorin aus Deutschland auf einer Konferenz in Tokyo über den Weg gelaufen.
Aus meinem sechsmonatigen Praktikum ist letzten Endes ein Einjahresvertrag geworden. Dadurch konnte ich mitverfolgen, wie das von mir aufgebaute Netzwerk an Universitäten zunehmend wuchs und welche Problematiken dabei auftraten. Eine wertvolle Erfahrung, die schließlich auch in meine Masterarbeit zum Thema Netzwerkanalyse eingeflossen ist.
Weiterführende Informationen
Office of the Regional Advisor for Culture in Asia and the Pacific
UNESCO Bangkok
920 Sukhumvit Road
Prakanong, Bangkok 10110
THAILAND
Tel: +66-2-391-0577
Fax: +66-2-391-0866
Web: http://www.unescobkk.org/culture
Email: culture@unescobkk.org |